Mittwoch, 31. Januar 2018

Am Besten es bleibt alles gleich



Manchmal ist es einfach die Wohlfühlzone, dass alles gleich bleibt.
Veränderungen mögen einmal toll sein, aber an sich möchte man doch Verlässlichkeit und den vertrauten Trott. Das ist einfacher, das ist eingespielter. Jede Veränderung ist ein Wagnis, viel mehr, sie bedarf Eigeninitiative und Anstrengung. Und am Ende hat es sich vielleicht gar nicht gelohnt – wer weiss das schon. Vielleicht gefällt es einem selbst nicht einmal. Also dann doch lieber das Vertraute.

Genau das sagen sich mittlerweile auch viele der Autoren, Produzenten und Filmemacher, so hat es jedenfalls den Anschein. Die grosse Kunst ist es allenfalls, das charmant zu verpacken, so wie bei Filmen wie “ Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, “Pirates of the Carribean – Fremde Gezeiten“ oder “Captain America: Wintersoldier“ (um nur einige zu nennen). Am Ende ist man da, wo man am Anfang war, die eigentlichen Veränderungen sind marginal, die Motivationen der Charakter grossteils ebenso. Reset To Start also. Grundsätzlich wäre das auch durchaus einmal okay, aber bei “Fluch der Karibik 5“ und weiteren Comicverfilmungen ändert sich das Spiel genauso wenig, d.h. der Stillstand ist Programm, man weiss was man bekommt. Das haben die James Bond-Filme auch nicht anders gemacht, das ist das Dauerprogramm von McDonalds.  

Verlässliche Einheitskost eben. Gut für alle, die keine Experimente wollen. Toll für die Seriengeneration, die auch nach Staffel 10 weiter schaut, weil alles so vertraut ist und dabei in Kauf nimmt, dass die Handlung schon seit dem Beginn der zweiten Staffel immer wieder viel zu lange auf der Stelle tritt. Es ist nicht schlecht per se. Es enttäuscht aber diejenigen, die mehr Erwarten als nur die gleichen Figuren in immer ähnlichen Situationen. 
“Es gibt noch viel zu erzählen“, heißt es meist in Interviews. Wer dann das Ergebnis sieht, der muss das meist bezweifeln. Braucht man wirklich jedes Jahr einen neuen Star Wars-Film? Gibt es da wirklich noch so viel zu erzählen? Wenn man kurz den Atem anhält, hört man vielmehr den Geldbeutel klingeln. Stillstand ist nicht nur die Wohlfühlzone des Publikums, sondern in viel größerem Maße die der Produzenten, denn so kann man das immer gleiche Produkt erneut verkaufen. 

Eine tolle Formel im schwierigen Mediengeschäft, die aber nicht ewig funktionieren wird. Derzeit aber fährt man noch ganz gut damit, wie Frage ist somit nur, wer zuerst seine Wohlfühlzone bei solch erfolgreichen Filmreihen verlässt – das Publikum oder die Produzente.

Dienstag, 16. Januar 2018

Young Sheldon - Quotenhoch und Gagflaute



Mit über drei Millionen Zuschauer hat “Young Sheldon“ beim “The Big Bang Theory“-Dauersender PRO7 für unglaublichen Jubel gesorgt. Auch in den USA sahen 17 Millionen zu, also so viel wie zu TBBT-Höchstzeiten. Sicher ist es die Anfangsneugier, die viele den Fernseher einschalten lässt. Zudem ist Sheldon der beliebteste Charakter der Serie, hat damit auch eine große Fanbasis. Produziert wird hingegen nicht vor Publikum und mit eher wenigen Ortswechselns, quasi als Live-Theaterstück (wie in der Originalserie), sondern wie die andere Chuck Lorre-Produktion “How I Met Your Mother“ dreht man klassischer wie bei einem Spielfilm. Dadurch sind filmisch viel mehr Variationen möglich, auch Zeitsprünge, Ortwechsel und verschiedene Drehorte werden damit einfacher. Jedes Verfahren hat seine Vorteile, insofern garantiert keines Qualität oder mehr Spaß für den Zuschauer, doch vom Grundgefühl geht die Serie damit eher in Richtung “How I Met Your Mother“, auch weil der ältere Sheldon die Rolle eines Erzählers aus dem Off einnimmt.

Dass man sich für dieses Verfahren entschieden hat, mag nicht verwundern, ist der Hauptdarsteller doch gerade mal neun Jahre alt und allein dies mag als Grund ausreichend, nicht vor Live-Publikum zu drehen. Auf der anderen Seite hat man so teilweise immer den Eindruck eher in der anderen Lorre-Produktion zu sein, als bei TBBT. Doch was zählt sind vor allem Inhalte – und da merkt man schon in der zweiten Folge, dass sich das irgendwie schon schnell erschöpft hat, wenn Sheldon hier Freunde sucht und sich das soziale Verhalten der Menschen und von Freundschaften mit Hilfe des täglichen Lebens, Beobachtungen und dem Studium von Büchern verinnerlichen möchte. Wem das bekannt vorkommt, der hat sicher die TBBT-Folge “Der Freundschaft-Algorithmus“ (2. Staffel, 13) gesehen, da hier der erwachsene Sheldon genau das gleiche versucht und viele Aussagen nicht zu den Erlebnissen in der Jugendserie passen wollen. 

Dass sich Ungereimtheiten ergeben würden, war ja von Anfang an klar, schließlich gibt es die in der normalen Serie ja auch, wo Howard zu anfangs von seinem Vater erzählt, als lebe der zu Hause oder Rajs Eltern noch nicht als reich erwähnt werden (und vieles weiteres mehr). In der zweiten Folge aber schon komplett eine Dublette vorzulegen ist nicht nur dreist, sondern auch reichlich ideenlos, was allerdings okay wäre, wenn die Variationen toll oder die Handlung voller Gags wäre.

Das Hauptproblem ist ohnehin, dass man bei der Originalserie nicht nur einen Gaglieferanten hat, wie es bei “Young Sheldon“ der Fall ist, sondern mit Raj, Howard und zumindest noch Amy schon viel mehr klassisch-komisches Personal besitzt – und natürlich sind auch Bernadett, Penny und Leonard für einige Lacher da, obwohl die eher die klassischen “Straight Man“ und “Straigh Women“ sind, die Normalen also, die eher die Handlung voran bringen, weniger Schrullen haben – und damit auch weniger Gags, da sie oft als Stichwortgeber fungieren.

Bei “Young Sheldon“ wimmelt es aber nur noch so von “Straight Persons“ und somit ist die Gagquote deutlich geringer – es gibt einfach weniger zu erzählen und nur Sheldons Ticks bleiben meist übrig, was auch keine neuen Arten von Komik hervorbringt, sondern eben immer mit den gleichen arbeitet, womit einfach die Abwechslung fehlt. 

Dass Hauptdarsteller Ian Armitage seine große Bürde sogar ganz gut macht, bzw. er als Kinderdarsteller durchaus einige Sympathien auf seiner Seite hat, ist dabei ein positiver Faktor, doch leider ist seine Figur eher die des nervigen kleinen Schlaumeiers, wie man sie aus vielen anderen Serien oder Filmen kennt, bei denen solch eine Nebenfigur meist für Gags sorgte, aber auch oft ganz schön nervig ist, wenn er wieder seltsame Allüren an den Tag legt. Dieses Gefühl bleibt hier nicht ganz aus, denn nicht jede Schrulle ist witzig, genauso wenig die Gefühle von Personen zu verletzen (auch in einer Comedy-Serie). Außerdem sind die Problematiken meist wirklich die selben, mit denen der ältere Sheldon zu kämpfen hat und somit erwartet einen definitiv keine Überraschung.
Nach einem gut gestarteten Piloten, für den man sogar “Iron Man“-Regisseur Jon Favreau einkaufte, gab CBS die 21 restlichen Staffelfolgen in Auftrag, die USA-Quoten sind mittlerweile um einige Millionen gepurzelt, die deutschen können derzeit aufgrund eines Ausfalls der GfK-Messgeräte nicht ermittelt werden. Ganz klar ist nur, dass sich das Publikum der beiden Serien nicht überschneiden muss, obwohl “Young Sheldon“ sicher auf den Rückhalt der TBBT-Fans angewiesen ist. Klar ist ebenfalls, dass das neue Format weniger Lacher hat und das könnte sich schon bemerkbar machen in der Gunst der Zuschauer.

Die Sendung läuft Montags 20.45 auf PRO7, eingerahmt von “The Big Bang Theory“. Ich werde sie nicht noch einmal bewusst schauen, denn mehr Lacher und Unterhaltung gibt es derzeit bei den diversen Verkaufskanälen, die geradezu minütlich immer neuere und bessere, immer seltenere und edlere Uhren, Staubsauger, Tansanitringe oder Putztücher anpreisen, die es so und in dieser Art nicht mehr zu kaufen geben wird und allesamt unglaublich billig sind und dem Sender nur Verluste einfahren. Das ist wenigstens Realsatire vom Allerfeinsten.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Die Mücke und der Elefant 


Man kann aus keiner Mücke einen Elefanten machen. Sagt man.
VOX kann das. Und zwar mit dem neuen Dokutainment-Format "Das Vorstellungsgespräch". Der Titel allein klingt schon so langweilig und hilflos, dass man keine Erwartungen und diese Bombenidee hat - oder besser gesagt, graust es einem eher vor der Tatsache, dass jemand tatsächlich aus einem Bewerbungsgespräch eine TV-Show machen könnte.

Doch, so will es der gnadenlose Fernsehgott, genau das gibt es und zwar anscheinend Dienstag Abends, wenn knallharte Gespräche über die Top-Posten einen vor den Fernseher bannen sollen. Im Fahrwasser von "Die Höhle der Löwen", bei dem Startups sich vorstellen, sind es hier Jobsuchende - die einen Job suchen. Das klingt erstmal noch nicht soo interessant, aber meist gibt es ja dann den Hammer-Ober-Hyper-Job, um den man miteinander buhlt. Genau wie hier. Fast zumindest. Den einer dieser Über-Jobs ist Zusteller bei einem großen Transportunternehmen. So, den lass ich jetzt erstmal sacken...

Also nichts gegen den Job, gegen Zusteller oder Transportunternehmer. Definitiv nicht, aber so extrem spannend ist das nun wirklich nicht. Und auch für das "Gespräch" die Vokabel "gestellt" zu benutzen, leicht untertrieben. In eine tollen Kölner Hochhauswohnung mit Blick auf den Dom, in die sich das TV-Format eingemietet haben, werden die Kandidaten wie auch potentiellen Arbeitgeber gekarrt, wo sie solch sinnfreie Fragen wie:" Was glauben Sie, wie viel sie Fahren werden?" stellen. Letztlich wird spätestens hier klar: Das ist Entertainment der einfachsten Sorte, schnell und leicht produziert, ohne Tiefe, ohne Sinn, ohne Ansprach echt zu sein oder Realität abzubilden. Wenn es nun zumindest unterhaltsam wäre, dann wäre das auch okay. Ist es, wie die Glanzlichter oben zeigen, aber leider nicht und so darf man Leuten beim Malen potentieller Fahrtstrecken einer Zustellung oder anderer selbstgebastelter Eignungstests um den heissesten aller Jobs zusehen.

Oder auch nicht, denn es gibt noch ein zweites Vorstellungsgespräch, bei der eine Fitnessstudiokette einen Eventmanager sucht, wobei das selbe noch einmal von vorne beginnt. Und das ist im Doppelpack dann einfach zu viel des Guten oder eben doppelt so schnarchig, so dass Gespräche der Vorzimmerdamen noch als Pausenfüller dienen müssen.

Dass Jobs angeboten werden und unter Bewerbern ausgewählt werden muss, ist etwas, das notwendig und gut ist, aber das Ganze mit der Kamera zu verfolgen ist so unterhaltsam wie die Zeitlupenaufnahmen der letztjährigen Anfertigung meiner Steuerunterlagen. Da muss ich sagen, unterhält mich eine Runde Verkaufsfernsehen von flammenlosen Wachskerzen mit LED-Lichtern mehr.

Sonntag, 19. Februar 2017

Das Haxenfeuerwerk der Stunde - ein Tag im Leben eines Shoppingkanals



Wenn man abends zu lange auf ist, dann bleibt es nicht aus, dass man wohl oder übel irgendwann auf die zahlreichen Shoppingkanäle im Fernsehen stößt. Hier wir in der Regel all das zu einem unglaublichen Sonderpreis und “nur heute“ angepriesen, was es überall anders ohnehin immer zu dem gleichen Preis gibt. 

Darunter fallen große Küchenmixer, die im Fantasieland der Redaktion geschlagene 590,- Euro kosten würden, jetzt aber nur noch unglaubliche 250,- Euro. Der Preis fällt dabei mit fortlaufender Zeit, aber die Anzahl der noch vorhandenen Geräte auch – man muss also besser zuschlagen, um noch so ein Schnäppchen zu bekommen. Am Ende zahlen alle den finalen geringsten Preis, der da bei 200,- Euro lag, aber wer weiss schon vorher, ob nicht in Sekunden alles ausverkauft ist…
Dass ich die gleichen Geräte in einem Testbericht für “Küchenmixer unter 200,- Euro“ gefunden habe, mag nur ein Beispiel sein, dass einem aber auch wirklich gar nichts geschenkt wird. Nunja, alle sind zufrieden, denn man hat ja die psychologische Wirkung, etwas potentiell tolles potentiell günstiger bekommen zu haben und der Sender hat die Billigware draussen.  

Genauso bei der tollen “handgefertigten, hochwertigen“ Uhr aus Sachsen, die letztlich eigentlich nur in China zusammengebaut wird und bei der jeder der Preise genannten Preise eine kreative Schöpfung der Moderatoren ist: “Warum ruft denn keiner an? Meine Damen und Herren, wenn ich die Uhr zum Juwelier bringe, der nimmt das mit Kusshand für den Preis – und jetzt sind wir schon 30 Euro drunter, da verdienen wir nichts mehr daran, wir machen das alles nur für sie!“
Doch das wird alles getoppt von einer unscheinbar anmutenden Kochshow, bei der fertig gekochter Braten mit Soße erstanden werden kann. Die folgenden Passagen sind alle so 1:1 in nur einer Sendung gefallen – und diese Originalzitate voll kreativem Wahnsinn möchte ich niemandem vorenthalten.

Ich hab zwar nicht gewusst, dass das geht, aber Fleisch mit Soße in der Tüte ist ein Highlight im Leben eines Schweins, denn so durfte ich erfahren, “Heute ist der einzige Auftritt der Wildschweinfilets in Maronensoße“. Scheinwerfer an, es ist also kein Wunder, dass sich jedes Wildschwein um so einen Auftritt reißt und freiwillig zum Casting geht. Aber nicht nur das gibt es, denn zum Glück wird auch manchmal “das Haxenfeuerwerk der Stunde“ eingeleitet – und man hört schon die imaginären Knaller zünden.
“Liebe Kunden“, beschwört die Moderation dann voller Nächstenliebe, “ich würde mir jetzt so wünschen, dass sich hier alle einwählen. 1, 2, 3 – los!“ – Na da kann man nichts anderes tun, als zum Hörer greifen und bestellen, denn schließlich gibt es nur Köstlichkeiten, denn “das ist das Beste, was man rausschneiden kann aus dem Tier“. Na da bin ich aber beruhigt, selbst wenn ich es nicht selbst rausschneiden darf – und genauso, dass es “sehr viele Wertinhaltsstoffe besitzt“. Nicht auszudenken, wenn es unwertige Wertinhaltsstoffe gewesen wären. Das kann aber nicht sein, schließlich wird mir versichert: “Sie können sich auf die100 prozentige prozentuale Richtigkeit verlassen, dass das frisch geschossen ist“ – Gott sei Dank, wird das auch mal 100 prozentig richtig gestellt! Bei dem Zeugs aus dem Schlachthof weiss man auch nie, ob es 100prozentig frisch ge-elektroschockt ist – aber zum Glück kann man sich hier drauf verlassen.

“Heute ist Gewinnertag für alle unsere Kunden“, heisst es dann und ich fühle schon, wie dieses warme Gefühl in mir hochsteigt, hier endlich den schönsten Tag meines Lebens zu erleben und mal so richtig abzusahnen. Jetzt hab ich endlich alles richtig gemacht, denn die große Chance steht bevor, als der Moderator plötzlich aufheult: “Was machst du da? Die Kollegin hat falsche Presisschritte eingestellt. Bitte gehen sie sofort rein, wir haben einen falschen Fehler gemacht.“
Wow, jetzt heisst es Inflation pur – und ich werde sogar dazu aufgerufen, den Fehler des Senders auszunutzen. Dann kann man sich nicht mehr auf den Sesseln halten und man muss einfach alles doppelt und dreifach bestellen. 

“Jetzt muss ich alles abverkaufen, um überhaupt Gewinn zu machen. Das geht jetzt nur noch über die Menge“, heisst es dann als Erklärung, die ich nach so viel Gehirnwäsche, zufriedenem Schnäppchenkauf und um mehrere hochqualitative, saugünstige Kilo Baten mit Soße reicher, gerne glauben mag.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Oh Freunde, welche Längen…



… das frage ich mich oft, wenn ich die Entwicklung der Laufzeiten von aktuellen Kinofilmen ansehe.
In den 30er Jahren ging ein Film 60 bis 70 Minuten (natürlich mit Außnahmen). Das war und ist sicher nicht wirklich lang, man darf aber hier nicht vergessen, dass es damals ein Beiprogramm gab, d.h. neben dem Hauptfilm wurde eine Wochenschau gezeigt, ebenfalls Kurzfilme (z.B. Cartoons) oder ein Serial (wie Flash Gordon oder Zorro). Somit kam man auch auf ein Programm von mindestens 100 Minuten.

In den 80ern waren 90 Minuten durchaus eine typische Filmlänge. Und das war gut so. Natürlich gab und gibt es immer Filme, die länger gingen (und das zu Recht), aber derzeit sind wir bei fast schon 120 Minuten angekommen, die ein modernen Hollywoodfilm durchschnittlich vereinnahmt. Mit sehr vielen Ausreißern nach oben.

Per se mag das ja noch keine schlechte Entwicklung sein, schließlich bekommt man somit mehr Film geboten am Ende. Genau betrachtet frage ich mich aber dann doch, warum eine filmische Vollkatastrophe wie “Superman vs. Batman – Dawn of Justice“ stolze 151 Minuten braucht, um einen Simpelplot mit sich gegenseitig verprügelten Superhelden unterzubringen. Wir bewegen uns hier in Gefilden, wo man den Film mit “Amadeus“ vergleichen muss, der eine ähnliche Laufzeit aufweist, aber diese durch Inhalt und Qualität zu füllen weiß.

Naja, es geht ja erstmal auch nicht um die direkte Qualität bzw. das Lamentieren, ob ein Film dessen gerecht wird oder jemandem gefällt. Ich stelle nur fest, dass die Laufzeiten immer mehr zugenommen haben und auch in vielen Fällen diametral zum eigentlichen Plot sind. Das heißt, ein einfacher Stoff wird aufgeplustert zu einem überlangen, aber letztlich immer noch einfachen Stoff. 

Ich habe meist schon gar keine Lust mehr, ins Kino zu gehen, wenn ich die Laufzeiten dieser Produktionen sehe. Einfaches Blockbusterkino mit einfachen Geschichtchen wird da aufgebohrt und die Helden prügeln sich nur durch weitere Szenarien und geben weitere sinnfreie Dialoge von sich. Ein echter Mehrwert ist das nicht.

Selbst der durchaus anschaubare Unterhaltungsfilm “Captain America: Wintersoldier“ wartet mit stolzen 136 Minuten auf – und egal wie einfach-unterhaltend er auch sein mag, das ist einfach zu lang für eine Geschichte, die ich vorher schon zig Mal gesehen habe und Actionszenen, die sich in den immergleichen CGI-Schlachten ergehen.

Wenn ich dann zum Vergleich echte Filmperlen heranziehe, dann stelle ich fest, dass diese mitnichten immer eine hohe Laufzeit benötigen. “Iwans Kindheit“ und “Hiroshima, mon amour“ gehen knapp über 90 Minuten bieten aber eine Tiefe, die die oben genannten Filme auch mit 40 Minuten längerer Spielzeit nicht im entferntesten erreichen.

So wäre es doch eventuell durchaus interessant, wieder zurück zu gehen in der Zeit und auch heute ein oder zwei Kurzfilme vor dem Programm zu zeigen, den Hauptfilm lieber kürzer und prägnanter zu machen und somit viele Ziele damit zu fördern. 

Der eigentliche Film wäre besser, da er keine unnötige Dehnung seiner Geschichte bräuchte, die Kurzfilme würden zudem dem einheimischen Nachwuchs eine Chance geben, ihre Werke zu zeigen, womit sie echte erste Leinwanderfahrung machen könnten. Die deutsche Filmindustrie bräuchte so einen Auftrieb, der Nachwuchs eine frühere Förderung, also hätte jeder gewonnen. Naja, vielleicht muss man mit letzterem beginnen, damit die Längen der Filme wieder zu ihrem Inhalt passen. Es würde auf jeden Fall allen gut tun.

Freitag, 14. Oktober 2016

Der alltägliche TV-Wahnsinn – eine Chronologie des Grauens!




Wieder einmal habe ich Tage des Leidens durchgestanden, um erneut die TV-Kultur zu würdigen.
Bei “Adam und Eva“ – Promis nackt im Dschungelparadies, möchten sich “Promis“, von denen garantiert noch niemand gehört hat (ja, “normal“ ist das neue “Promi“) verlieben. Beiläufig sei erwähnt, dass alle dabei komplett nackt sind – und das heisst wirklich komplett. Warum? Niht wegen der Felischbeschau des gaffenden Voyeur-Publikums oder der Quotengeilheit der Macher, nein, ganz einfach weil sie ja ganz allein auf einer einsamen Insel sind (neben den 35 unsichtbaren Mitarbeitern der Produktion). Hier zählt auf jeden Fall nur eines, nämlich nackte Haut und sinnlose Dialoge. 

Gleich im Anschluss läuft auf dem selben Sender übrigens “Die kuriosesten Nacktshows der Welt – wie wichtig ist der Faktor “Haut“?“ Also der gleiche Blödsinn nur als heuchlerische Reportage getarnt.
Grundehrliches Fernsehen dagegen im “Kabel1 Magazin“. Hier kommt um 23 Uhr ein Magazinstück, wie man Zähne putzt. Vielleicht eine Reminiszenz an das Publikum (obwohl auch fernsehgeile Achtjährige bei sowas einschlafen würden), vielleicht ein Hinweis der Redakteurin an ihren Mann, man weiß es nicht, was in den Köpfen der Macher vor sich geht, wenn sie den neusten Trends und Styles hinterherrennen und das dann dabei herüberkommt.

Wo anders such man das “Curvy Supermodel“, also nicht einfach so Konsumschnitten oder Fashionbräute, nein echte Frauen mit Ecken und Kurven. Allerdings besteht die Sendung hauptsächlich darin, vor allem die emotionalen Geschichtchen der Bewerberinnen elegisch zu präsentieren (á la “mein Freund ist nicht mitgekommen zum Casting und deswegen bin ich traurig“). Das “Talent“ beschränkt sich dann darauf, ca. 50 Sekunden einen fingierten Laufsteg entlang zu laufen. Und das ist dann genauso simpel und einschläfernd, wie es sich anhört. 

Bei der “Karawane der Köche“ sind es Streetfood-Teams, die sich duellieren und bei denen man zum Halbfinale antritt. Dort werden Brötchen gebacken – aber nicht ohne dass alle Köche minutenlang erstmal dahin aufbrechen und nachdem zig Mal vom Halbfinale geredet wurde, dauert es geschlagene 10 Minuten, bis sich dann alle erstmal in Gang gesetzt haben.

Das große Erziehungsexperiment verwöhnt uns hingegen mit einer Live-Schalte ins Wohnzimmer der Familie Ackermann. Das Paar sitzt da und blättert eng aneinander geschmiegt in einem Magazin – wahrscheinlich der TV-Zeitschrift oder der Superl-Illu. “Spontan“ und “ungestellt“ sind dabei zwei Worte, die einem garantiert nicht bei solchen “Live-Schalten“ einfallen würden.

Aber auch auf den kleineren Kanälen geht es rund, denn hier wird bei Sixx in “Pain & Fame“ Deutschlands Supertätowierer gesucht. Wie bei allen anderen Shows hört man zum hundersten Mal den Klang von Kriegstrommeln bei der Verkündung der Urteile, sieht zum tausendsten Mal Kameraschwenks auf die Gesichter der Leute, wird wieder jeder Moment ins Unendliche gedehnt, wenn die Verlierer gehen müssen.

Und ganz am Ende kommt bei Pearl TV “Das 5 Euro Überraschungsangebot“, bei dem Artikel, für die man maximal 4,99 zahlen würde, für 5 Euro im Angebot sind. Präsentiert in der gewohnten gelbstichigen Simpsons-Hommage-Optik, bei der jeder der nicht Augenkrebs bekommt, dringend zum Arzt sollte. Präsentiert von zwei gefärbten Blondinen, die permanent kichernd sich gegenseitig ins Wort fallen und “Möchten Sie´s sehen?“ oder „Sind Sie aufgeregt“ rufen. Nein, auch der automatische Seifenspender mit Bewegungssensor reist mich nicht von der Couch (hmm, ein bisschen dickflüssig, die Seife, was habt ihr denn da wieder eingefüllt, haha).

So gehen Stunden des Leidens zu Ende – aber ich kann alle beruhigen, ich schaue mir das auch nur in kleinsten Dosen und Miniausschnitten an, das reicht um derlei Wahnsinn mitzubekommen und schützt mich selbst vor bleibenden Schäden.