Freitag, 13. Juli 2018

Werbung, GEZ und warum es Pay-TV so schwer hat


In Deutschland zahlt man GEZ-Beiträge, quasi im solidarischen Prinzip, zur Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Seit den 90ern gibt es aber auch hierzulande das Privatfernsehen, reichlich spät, wenn man das mit der USA vergleicht. Aber diese Tatsache, genauso wie der GEZ-Obulus haben zu anderen weitreichenden Folgen geführt, über die man selten nachenkt.
Vergleicht man nämlich wiederum die Anzahl der Werbung in Minuten und der Werbeblöcke mit anderen Ländern wie den Vereinigten Staaten, dann stellt man sofort fest – es wird dort viel mehr und viel öfter Werbung gesendet, bzw. das Programm damit unterbrochen. Und da es kein werbefreies Fernsehen gibt abseits der Bezahlsender, ist dies quasi der Standard des TV-Programs.

Abgesehen von gesetzlichen Regelungen kann sich aber auch hier kein Sender derart massive Werbeblöcke leisten (auch wenn diese insgesamt seit den 90ern mehr geworden sind), da das öffentlich-rechtliche Programm eben (bis auf die Vorabendschiene) überhaupt keine Werbung schaltet. Dieses Zusammenspiel führt dazu, dass mit der werbelosen Konkurrenz immer eine gute Alternative besteht und das Privatfernsehen eben nicht einfach alles mit der gleichen Menge an Werbung zupflastern kann ohne Zuschauer zu verlieren.

Diese Auswirkung ist aber nicht die einzige Relevante hinsichtlich der TV-Werbung, sondern ebenfalls die Schwierigkeit des Bezahlfernsehens in Deutschland Fuß zu fassen. Wiederum in den 90ern begann man das Pay-TV zu etablieren, 2002 kollabierte der damals größte Anbieter und auch nachfolgende Sender mit gleicher Ausrichtung konnten sich bislang nicht wirklich nachhaltig etablieren. Die Notwendigkeit auf Bezahlfernsehen umzusteigen ist nunmal recht gering. Das öffentlich-rechtliche Angebot bedient dabei nicht nur Nachrichten, den Sport (vor allem die großen Events und den Fußball), sondern auch TV-Filme, Serien und Kinofilme. Durch das Fehlen der Werbung ist zudem der Leidensdruck recht gering. So kann also das Pay-TV einzig über teure Einkäufe neue Kunden finden, d.h. aktuelle Serien, Kinofilme schnell ins Programm bringen oder exklusive Sportveranstaltungen. Das alles kostet wiederum sehr viel Geld und man braucht damit viele Abonnenten. 

Die deutsche Marksituation ist deswegen eben nicht mit der in der USA oder anderen Ländern zu vergleichen, was bislang sehr oft von ausländischen Konzernen ignoriert wurde, die ebenso oft enttäuscht wurden bzw. eben aufgrund der falschen Einschätzung in den Ergebnissen deutlich unter den Erwartungen lagen.
Ob dies in einer digitaleren Welt ebenfalls so bleibt, wird sich zeigen, aber die komplexere Situation hierzulande ist wohl unstrittig und auch manche indirekte Vorteile, wie die kleinere Werbezeiten, prägen unser Bild und die Medienlandschaft wohl vehementer als man annehmen mag.

Donnerstag, 17. Mai 2018

Auch in Zukunft wird die Dummheit nicht aussterben


Es sind tröstlich Nachrichten, die man beim Stöbern im Fernsehprogramm sehen kann. Während hierzulande meist immer noch erfolglos nach irgendwelchen Superstars gesucht wird, gibt es auch schon auch die etwas weniger sensorisch per Fernseher erlebbaren Formate wie “The Taste“ oder “Das grosse Backen“, bei denen die Kochkünste der Teilnehmer zur Debatte stehen. Eine Melange also zwischen den Jahrhunterte alten Kochshows und ebenso alten Jury-basierten Prämierungen (von Hunden bis Schönheitsköniginnen). Im Prinzip kombiniert man also zwei Asbach-Uralte und schnarchige Disziplinen zu einem hippen neuen Trendformat, bei dem möglichst photogene Leute in Vorzeigeküchen vor sich werklen und am Ende eine Jury etwas dazu sagt.

Während man Stimmen noch hören oder Models sehen kann, ist das hier kaum nachvollziehbar. Man vertraut also in allem auf die Kommentare der Jury, kann aber auch eben nicht selbst werten und so wird es auch viel schwerer Partei zu ergreifen, wie das z.B. bei den Gesangswettbewerben der Fall ist. Da die Performance ja auch zeitraubend und wenig unterhaltend per se ist, nimmt der Prämierungsteil auch einen Löwenanteil im Ganzen ein und bildet ein Hauptelement, das mit den gewohnten künstlichen Pausen und aufdringlicher Musik unterstützt wird. Wer das schon nach ein paar Folgen nicht langweilig findet, dem gebührt wirklich einigen Respekt, denn er ist damit resistent gegen vieles und vor allem schrecklich langweiliges – also geduldig ohne Ende anscheinend. Doch irgendwann kommt auch hier die Zeit, bei der sich das Format langsam dem Ende zuneigt und man immer neuere Innovationen braucht, um die Leute wieder für so etwas zu interessieren. Und bei der Singerei hat es ja auch schon mit “The Voice Kids“ funktioniert (die Senioren stehen ja schon angedroht in den Startlöchern), warum nicht die lieben kleinen Kinder auch mit den ganzen Backshows kombinieren? Das Publikum ist doch durchaus empfänglich dafür, oder nicht?

“Kids Baking Championship“ nennt sich der Schmonzens, den ich da gesehen habe und der anscheinend schon seit drei Jahren in der USA läuft. Hierzulande versendet sich das glücklicherweise beim Spartensender SIXX, aber wenn das die Zukunft des Fernsehens sein soll, dann ist ganz klar – die Dummheit des Mediums wird siegen. Eine Gruppe gecasteter und hingestylter Kinder steht im gleichen Studio mit den Vorzeigeküchen und backt unter den selben Vorgaben wie die Großen das selbe Zeug je nach Motto (“Windbeute süß und pikant“). Vor lauter Styling stellt man sich permanent die Frage, was daran noch echt ist, aber letztlich interessiert das wahrscheinlich keinen, der sonst auch das Zillerglöckner Familienläuten in der Stubenmusikparade sehen möchte. Allein, ist es einfach so schrecklich künstlich und durchkomponiert, dass jedwede kindliche Frische abhanden gekommen ist und die Macher dazu in ihrem Wettbewerbsdenken (“es muss heute einer ausscheiden“) auch die falschen Werte aussuchen, um so etwas zu begleiten und somit ist das nicht nur himmelschreiend-langweilig-spießiges Formatfernsehen, sondern auch noch eines, das vor allem Wettbewerbsdenken fördert und Kindern ihre Eigenschaften nimmt. 

Es bleibt zu hoffen, dass  der Sendeplatz auf dem Spartensender verbleibt und sich niemand dessen weiter hier annimmt. Diese Hoffnung ist nicht gross, aber sie stirbt ja bekanntermaßen zuletzt.

Montag, 16. April 2018

Einer geht noch – der Star Wars-Ausverkauf


“Krieg der Sterne“ hat drei Teile.
Zumindest für mich. Und das ist die Originaltrilogie. Punkt.
Aber auch schon in den 80ern gab es Gerüchte um weitere Teile. Es hieß, es sind eigentlich neun Filme konzipiert, dann wieder, dass Han Solo der eigentliche Held wäre und die folgenden von ihm handeln und die vorhandenen die mittleren Filme wären. Man sieht, auch damals gab es ohne Internet genügend Gerüchte und Geschichten um die potentiellen Vor- und Nachfolger, spätestens aber, nachdem im Vorspann schon von “Episode VI“ die Rede war. Und natürlich wurde “Star Wars“ danach genüsslich ausgeschlachtet durch zahlreiche Merchandise-Artikel, aber auch Bücher, Comics und Computerspiele, die allesamt die Geschichte weiter spannen. Lucas ließ es sich ja auch dann nicht nehmen die “Episode I-III“-Filme selbst zu schreiben und zu drehen, sehr zum Leidwesen vieler Fans, die vor allem beim letzten Teil durch die Hölle mussten und ein unglaublich trashiges Kasperletheater vorgesetzt bekamen. 

Das war erfolgreich, aber umstritten, genauso wie die immerwährenden Veränderungen an den Originalfilmen, die in der “ Solo-shot-first“-Bewegung ihren Ausdruck fanden. Lucas kümmerte sich wenig um echte Schlüssgkeit, ihm war es in der Zwischenzeit wichtiger ehemalige Schauspieler in den alten Filmen zu ersetzen, Effekte aufzuhübschen, doofe Gags einzufügen oder alles zu vergrößern. Dass das zu Ungunsten der Logik ging, war anscheinend egal. So wird aus dem unbedeutenden Tatooine und dem Hinterhofraumhafen Mos Eisley nun der Dreh- und Angelpunkt des Universums. War das im ersten Teil (also offiziell vierten) noch das Versteck von Luke, der bewusst Abseits von allem aufwachsen sollte, so ist der Raumhafen in der neuen Edition ein großer Weltraumstützpunkt mit unglaublich vielen Gebäuden und Leuten – und zudem auch die Heimat von Anakin, Lukes Vater, der Darth Vader wird und vor dem man anscheinend seinen Sohn auf dessen Heimatplaneten verstecken möchte. Bitte den Satz nochmal lesen, denn so betrachtet ergibt das Ganze überhaupt keinen Sinn mehr.

Nunja, das sind eben Lucassche Kapriolen, die eben aber auch zeigen, dass der Schöpfer der Saga schon selbst kräftig an der Demontage mitgearbeitet hatte. Immerhin wollte er es aber bei den nunmehr sechs (eigentlich ja drei) Filmen belassen. Aber mit dem Verkauf an Disney Ende 2012 hat sich das schlagartig geändert. Dieses Jahr wird der vierte Film erscheinen, der aus diesem Deal herrührt. Innerhalb von nicht einmal sechs Jahren hat Disney nun so viel Filme dazu veröffentlich wie Lucas in 22 Jahren (also von “Rückkehr“ bis “Episode III“). Und das Ende ist nicht in Sicht. Geschäftlich ist das kein Wunder. Der Konzern hat angeblich vier Milliarden für die Lizenz bezahlt und auch das muss man erst einmal einspielen. Dabei war das Vorgehen radikal. Alles abseits der sechs Vorgängerfilme (eigentlich ja drei) wurde als unkanonisch und zu “Legends“ erklärt, d.h. nicht der offiziellen Star Wars-Geschichte zugehörig. Wer also Bücher, Serien, Spiele und Comics gekauft und gelesen hatte, der weiß spätestens ab jetzt, dass das allesamt eben nicht echtes Star Wars war, sondern nur eine alternative Erzählung, die aber die “richtige“ neue nicht berühren muss. Deswegen gibt es auch nicht wenige, die sich darüber aufregen, dass anstelle der schon eingeführten Charaktere im Star Wars Universum nun ganz neue auftreten. Aber geschäftlich ist das eben ein guter Schachzug – man kann nicht nur alles nochmal verkaufen, sondern muss sich auch nicht an Vorgegebenes halten.
Ein Film pro Jahr hat Disney als Maxim herausgegeben. Das schließt Ableger, sogenannte Spin Offs mit ein. So sind bislang in schöner Regelmäßigkeit die Produkte erschienen. 2015 startete “Episode VII“, 2016 das Ableger-Prequel “Rogue One“, 2017 gab es “Episode VIII“ und dieses Jahr steht schon “Solo“ in den Startlöchern, ebenfalls ein Spin-Off-Prequel, das sich mit der Vorgeschichte von Han Solo beschäftigt. 2019 wird dann “Episode IX“ folgen und 2020 eventuell “Obi-Wan Kenobi“. Dieser Overkill an Filmen hat meiner Meinung nach schon jetzt die Marke beschädigt. Star Wars war früher ein Ereignis. Es war eben etwas Besonderes (vor allem die drei richtigen Teile), dazu gehörte auch, dass es eben nicht jedes Jahr einen neuen Film gibt. Jetzt gleicht es einer Fließbandproduktion, bei dem vor allem so schnell wie möglich das Kapital wieder reinfließen bzw. weiter fließen soll. Aber vergessen wird, dass sich damit auch eine gewisse Müdigkeit bei den Zuschauern breitmachen wird. Zwar wird auch “Solo“ erfolgreich sein und viele ins Kino locken, doch schon bei “Rogue One“ sah man, dass die Ableger aus vielen Gründen hinter den anderen Filmen liegen werden. Die Frage ist einfach, wie lange wird man das so weiter führen können, ohne dass auch der normale Kinogänger dessen überdrüssig wird. Schon jetzt bieten die Filme ja selten neues, wiederholen sogar ungeniert die Geschichten aus den Originalteilen (ja, genau, aus den dreien) oder spinnen um diese herum neue Fäden. 

ABBA hat nach ihrem Karriereende schon angeblich das Gebot von einer Milliarde abgelehnt, sich wiederzuvereinen und mit der Originalbesetzung (diesmal sind es vier) aufzutreten. Geschäftlich ist das doof, aber ABBA war und ist eine Legende, die unbeschädigt ist und heute noch davon profitiert. Star Wars geht nicht den gleichen Weg. Dafür sind die Dollarzeichen doch zu gross. Natürlich darf auch jeder Spaß haben bei jedem neuen Film, doch filmisch und handlungstechnisch war z.B. “Episode VII“ eine Nullnummer, die einfach den originalen ersten Film kopiert und mit etwas schlechteren Charakteren wieder aufbearbeitet. Wie schon zuvor mit Episode I-III führt auch dieser Film die Story eher nicht weiter und passt nicht zu den originalen Teilen, bei denen das Böse ja endgültig besiegt wurde, es hier aber so stark wie nie zurück gekehrt ist. Star Wars verdient dafür aber ebenfalls so viel wie nie zuvor, selbst wenn die Filme nur von der Nostalgie leben und eben genau diesen Legendenbonus haben. 

Eine Legende weiß, wann es Zeit ist abzutreten. Der Konzern Disney aber nicht.

Mittwoch, 14. März 2018

Ich decke auf - und den Zuschauer zu...

Heute geht´s wieder los mit der RTL-Show "Mario B. deckt auf" - der Sendung des kleinen Mannes, als der sich Herr Barth immer wieder gerne hinstellt. Es ist der berechntigte Volkszorn, eine Verbrüderung der Massen, die das Grundgerüst bildet. Meist recherchiert vom Bund der Steuerzahler, werden hier Fälle von Steuermisswirtschaft oder marode und paradoxe Vorkomnisse in den Städten und Ämtern dargestellt. Über diese, meist sich ähnelnden Fälle, darf man sich nun aufregen oder kollektiv lachen. Aufbereitet wird das in Form von Einspielern, Besuchen der Betroffenen oder als kurze Comedy-Einlage, bei der Briefe vorgelesen oder etwas in Form eines Sketches verpackt wird.

Alle diese Stilmittel wiederholen sich immer wieder, auch im Aufbau, variieren alleinig durch das Personal, dass die Fälle "aufdeckt". So sind die Gäste der Show einfach zur Abwechslung da, bleiben aber im Grundkonzept, dass meist einen (sicher auch oft berechtigten) Behördenirrtum zur Schau stellt. Total investigativ fährt der jeweilige Ermittler nun an Ort und Stelle und verlangt Auskünfte von den Ämtern oder will Leute zur Rede stellen. In der Regel bleibt es aber bei den Betroffenen oder der Darlegung des Falles, denn mittlerweile reagieren viele Einrichtungen nicht unbedingt mit Freudengeschrei, wenn RTL (bezwiehungsweise die Produktionsfirma) an die Türe klopft. Dass selten jemand mit den Ermittlern sprechen will liegt im Konzept der Sendung begründet, die eben eine reine Show ist, nicht Journalismus bietet, sondern vor allem ein Wohlfühlgefühl für die Menschen auf der Couch, denen aufgezeigt wird, dass "die da oben" viel zu doof sind für das was sie machen sollen.

Diese Attitüde des kleinen Mannes ist es auch, die Mario Barth perfektioniert hat. Nicht unbedingt subtil, muss man sagen, meist sehr sehr deutlich und dick aufgetragen gibt er sich als einfacher Mann aus, betont dies meist, ebenfalls, dass er ja nicht einer von den Studierten sei, nur jemand der Nachfragt und Nachschaut. Dabei präsentiert er die Fälle gerne im Stile seiner Comedy-Nummern, mit verstellter Deppenstimme, viel Gestik, permanenter Publikumsansprache und hastenichtgesehen. All das soll das geneigte Publikum abholen - dazu präsentiert man die Fälle so leicht und platt wie möglich. Gut und böse ist immer klar ersichtlich, kompliziert wird es eigentlich nie und journalstische Neutralität ein Fremdwort.

Am Ende ist man auch nicht klüger. Die Show ist rum, der Volkszorn hat sich befriedet, schließlich hat Mario B. ja alles aufgedeckt und somit ist allen geholfen. Das ist am Ende ein genauso perfides Gefühl, denn selbst als Appell funktioniert die Show nicht, bleibt immer Unterhaltung für das einfache Gemüt, will selten echt erklären, noch seltener Aufrufen oder eigene Aktivität oder Aktionen fördern. Macht ja alles der Mario schon.




Freitag, 9. Februar 2018

Deutschland sucht – und findet selten etwas



Das Jahr lässt sich in vieles einteilen. Jahreszeiten, Steuerquartale, Semester, Schulzeit – je nachdem, was gerade wichtig ist für einen. Aber eigentlich orientiert sich der normale Allesseher vor allem am jährlichen Suchrhythmus der TV-Sender.

Vor allem RTL scheint auf der Suche zu sein, zu Beginn des Jahres vor allem nach dem Dschungelkönig und dem Bachelor. Pro7 steigt mittlerweile auch ein und hält nach dem nächsten Topmodel Ausschau. Deutschlands Superstar will ebenfalls gerade gefunden werden – und natürlich auch bald The Voice of Germany, wobei neben The Voice Kids auch noch der Ableger The Voice Senior angedroht wurde (das ist kein Witz).

Der größte Verlierer (Biggest Loser) läuft ebenfalls gerade an, betreut von SAT1, Schwiegertöchter werden danach gesucht. Im Sommer geht es dann etwas zurück, zu befürchten ist da ab und an mal eine Bachelorette oder dass Kay One wieder jemanden finden möchte.
Zum Schluß des Jahres versüßen uns das Supertalent und Bauer sucht Frau die herbstlichen Tage – immerhin bleibt einem der Verliererreigen um Traumfrau gesucht erspart, bzw. gibt es nur Wiederholungen zu sehen.

Am Ende muss man sich dennoch fragen, ob für alles, was da gesucht wird wirklich Platz da ist. Der ein oder andere der ehemaligen Super-was-auch-immer-Talente hat tatsächlich auf die ein oder andere Weise seinen Fuß in die Branche bekommen, die Mehrheit aber ist, trotz massiver Werbung, Teeniefans und Stilisierung, fast schon am Tage nach der Kür vergessen und wird sich später nur noch in sendereigenen Boulevard-Formaten als Kanonenfutter wiederfinden.
Letztlich ist es eben doch nur das Gleiche, das einem immer wieder vorgesetzt wird. Ganz deutlich wird das bei Big Brother, wo man komplett auf das normale Format verzichtet und nur die Promi-Variante in den Ring schickt. 

Nunja, es hätte ja auch etwas nachteiliges, wenn noch weitere Formate dieser Art wegen anerkannter Unwichtigkeit eingehen würden, denn dann müsste man ja sein Fernsehjahr komplett neu strukturieren – und das ist einfach viel zu viel Arbeit.

Mittwoch, 7. Februar 2018

Flüstern und Reimen – Werbung für Doofe



Vor einigen Jahren hat eine Katalogfirma Werbespots mit einer geflüsterten Frauenstimme geschaltet. Das war eingängig, neu, innovativ auf zumindest irgendeine Art und hat vor allem die angepeilte Zielgruppe angesprochen. Das haben nicht nur die Zuschauer bemerkt, sondern auch andere Agenturen oder Auftraggeber, denn was mittlerweile alles geflüstert wird, ist geradezu inflationär. 

Junge, sexy Frauenstimmen flüstern eigentlich permanent zu irgendwelchen Produkten, wobei es schwer wird, überhaupt einen Namen zu nennen, denn anscheinend ist vor lauter Kreativität den ganzen Machern und vor allem deren Kunden eines komplett abhanden gekommen – nämlich das einfache Urteilsvermögen. Die Flüsterei war sicher neu, aber sie prägte auch dessen Verwendung. Wird mit der sexy Frauenstimme geflüstert, so denkt man als Zuschauer immer an das Hamburger Versandhaus, egal ob da eine andere Marke genannt wird. Das wird damit einfach assoziiert und wer weiß, dass Werbung unterschwellig wirkt und selten direkt, für den ergibt sich die Frage, warum Werbeträger das Markenzeichen einer anderen Marke verwenden und diese damit fördern, anstelle etwas eigenes anzustoßen. Es zeigt, wie gut die Werbung eigentlich war, dass selbst Profis oder Marken nicht auffällt, dass sie unterschwellig nur die andere Marke fördern und sich selbst im gleichen Zeitraum nichts aufbauen. 

Die andere Strömung ist derzeit die reimende Werbung. Was auf dem Papier klingt wie anno 1910, das funktioniert in der Praxis noch, so lange das Zielpublikum einigermaßen dafür empfänglich ist, so z.B. in der Weihnachtszeit oder gegebenenfalls bei Schokolade und Wohlfühlstimmung, doch je weniger kindlich-süsslich das Produkt oder Zielpublikum ist, desto uncooler ist gereimte Werbung, genauso wie gerappte Werbung, um das mal auf den Punkt zu bringen. 

Zwei Strömungen – beide werden teilweise wild und wahllos ohne nachzudenken für Spots eingesetzt, wobei man sich eben oft fragt, warum weder Kunden noch Agenturen das bemerken – wobei ich fast glaube, dass es mehrheitlich die Kunden sind, die so etwas wünschen, aber nicht darüber nachdenken, was das bedeutet (á la “Wir wollen so einen Flüsterspot. Das war so toll bei der Katalogfirma, das wollen wir auch“). Den Agenturen wird oft nur bleiben, die Wünsche zu erfüllen. Sollte es andersrum sein, dann ist es natürlich ein echtes Armutszeugnis für eine Branche, die mit Budgets um sich wirft, von denen andere nur träumen können.